Kindsein ist kein Kinderspiel – Teil 1

Fragestellungen, die auch dich interessieren könnten, wenn du Schulkinden hast und dich mit dem Thema Schule, Hausaufgaben, Noten, Lernen, etc. öfters auseinandersetzt. Oder auch mit deinen Kindern:)

  • Was soll aus meinem Kind später bloß werden (je nach Alter)?
  • Was spricht dabei gegen zu viel persönlicher Fürsorge?
  • Kennst du schon den “Hausaufgaben-Blues”?
  • Was ist eigentlich Begabung, was ist Intelligenz?

Nun in einem Blogbeitrag meine persönlichen Mitbringsel und Antworten von einem Elternvortrag von Anette Frankenberger an “unserer” Grundschule, rund um die Fragen:

  • Wie und wo entsteht Leistungsdruck?
  • Wie kann man den Druck mindern?
  • Welche Bedeutung Haben Familie und Schule in Bezug auf den Leistungsdruck, unter dem unsere Kinder heute stehen?
  • Wie kann man Kindern Erfolgserlebnisse vermitteln?
  • Wie unseren Kindern einen guten Umgang mit Fehler machen und Versagen lehren?
  • Wie gehören Leistungsdruck und Freizeitstress zusammen?

 

Mehr über Anette Frankenberger am Ende des Blog-Beitrags.

Was den Vortrag betrifft, ging es nicht darum unser bestehendes Schulsystem in Frage zu stellen, noch zu kritisieren sondern ausdrücklich um die Fragestellung, wie können wir mit dem was nun mal da ist, am Besten umgehen.

Es geht darum, wie wir mit den hohen Anforderungen umgehen, die wir uns zum Teil auch selber schaffen. Zusätzlich Druck generieren, der bei unseren Kindern oft ungefiltert ankommt.

Unsere kinder haben feine Antennen für Stimmungen, Atmosphären und unsere “Sorgen”.

Nachdem die Inhalte einen Blog-Beitrag sprengen, und meine Leserinnen in der Regel die “busy working Moms” sind, die eh nie viel Zeit hat, wenn überhaupt;), wird es mehrere Teile dazu geben.

Ich freu mich jetzt schon mal über viel Rückmeldung und Kommentare dazu!

Was soll aus meinem Kind bloß werden?

Hast du dir die Frage schon mal gestellt? Vielleicht ist dein Kind noch klein aber früher oder später taucht die Frage mal auf. Im Idealfall taucht sie zumindest irgendwann mal auf.

Die Frage an sich ist geprägt, von einer Erwartungshaltung, dass unser Kind alles erfüllen soll was da “draußen” so gefordret wird, um im Leben bestehen zu können, nicht zu den Verlieren zu gehören aber gleichzeitig von hoher persönlicher Fürsorge.

Eine Sorge, dass unser Kind aus dem Raster fällt, negativ auffällt, dass es sich schwer tut, seinen Weg nicht schafft, keine Freunde hat, nicht beliebt sein könnte, bis zur Sorge, dass es von anderen gemobbt wird, weil es anders ist, die Schule nicht schafft, dass es nur das Gymnasium sein darf, da es sonst keine Zukunft gibt.

Eine Denkweise, typisch für uns Deutsche, die auch sehr stark von den Medien geprägt wird. Immer ein “worst case scenario”, ein Schreckensszenario, vor Augen.

Eine Denkweise, die auf Ängsten und Glaubenssätzen beruht, die wir selbst schon in frühen Jahren in uns aufgesogen haben. In einer Zeit, wo wir das, was unsere Eltern uns vorlebten, uns auch vorsagten wie z.B. “Stell dich nicht so an”, “Ein Indianer kennt kein Schmerz”, “Ohne Fleiß kein Preis”, “Wer nichts wird, wird Wirt”.

Diese sogenannten “Eltern-Gebote”, aus unserer eigenen Kindheit, die auch über andere, nahestehende Bezugspersonen vermittelt werden, wie z.B. Lehrer, Erzieherinnen, haben wir selbst als Kinder nicht angezweifelt, noch hinterfragt.

Dazu sind Kinder nicht in der Lage und noch dazu besteht eine Grundangst, dass man nicht mehr geliebt wird, sollte man sich als Kind nicht daran halten, diese Dinge in Frage stellen, die da von den Großen so dargesetllt wir.

Später, wenn wir heranwachsen, können wir dann sehr wohl unterscheiden was wir annehmen wollen, was nicht. Was mit unseren Werten vereinbar ist und was nicht.

Nur leider sind viele dieser Glaubenssätze aus der Kindheit in unserem Unterbewusstsein bereits verankert und treten, vor allem in Stresssituationen, wieder zum Vorschein.

Kennst du z.B. auch den Satz “Schuster bleib bei deinen Leisten?”

Den habe ich als Kind einige Mal gehört, im Sinne von, nicht über Dinge zu sprechen von denen du keine Ahnung hast, und mehr noch, sich nicht in Gebiete vorzuwagen, in denen du kein Experte bist weil…es könnte ja schief gehen und dann bekommst du auch die Rechnung dafür.

Berechtigterweise wohlgemerkt, denn es gibt den Spruch ja schließlich nicht umsonst! Ha!

“Das hätte ich dir gleich sagen können, das das nichts wird!”

Und was macht das dann mit einem Kind? Wird es sich das nächste mal nochmal trauen oder eher nicht? Oder wird es sich besser zurückhalten, Dinge nicht ausprobieren um keine Fehler zu machen?

Aus amerikanischer Sicht ist der Satz wohl eher limitierend und es gäbe den einen oder anderen Präsidenten der vereinigten Staaten nicht, hätte er sich daran gehalten. Dann eher “No risk, no fun!”

Aber in diesem Blogbeitrag soll es heute nicht darum gehen, wie wichtig es ist Fehler zu machen und über eine Strategie wie wir das am Besten auch unseren Kindern erlauben und sogar vorleben sollten. Dazu ein andermal.

Kennst du auch welche? Was wurde dir als Kind an Sprüchen mitgegeben, die dich als kind schon geprägt haben? Schreibe gerne mehr davon im Kommentar unter dem Blogbeitrag.

 

Was spricht eigentlich gegen zu viel persönlicher Fürsorge?

Zunächst, persönliche Fürsorge ist richtig und wichtig aber ein Kind hat nun mal ein Recht auf Frust. Am besten ein paar Mal täglich!

Persönliche Fürsorge ist wichtig in Form von ehrlicher Liebe und Zuwendung. Nicht in Form von, ich möchte mir und meinem Kind jeglichen Frust ersparen.

Ich selbst kann mich da sehr gut wiedererkennen, habe ich doch selbst schon einige Male schnell noch die Schul-, Schwimm-, Sport- und sonstige -tasche für mein Kind gepackt oder ausgepackt.

Einfach damit es erledigt ist oder damit ich nicht zum 5ten Mal erinnern MUSS. Wieder einmal Mama Schalplatte spiele oder das Gejammer und  Gemotze endlich vorüber ist. Kennst du das?

Was ist falsch damit?

Wir erwarten, dass unser Kind selbstständig in dieser Leistungsgesellschaft bestehen kann, spielen aber sonst gerne die externe Festplatte für unsere Kinder.

Wenn du als Elternteil die Dinge für deinkind erledigst, dann ist es auch klar Mama´s oder Papa´s Fehler, wenn etwas fehlt! Prima oder?  Die Hausaufgaben nicht vollständig gemacht sind, das Kind zu einem Termin nicht vorbereitet ist oder pünktlich auftaucht weil Mama dieses Mal nicht 20 mal angetrieben hat, erinnert hat oder sich drum gekümmert hat, dass das kind vorbereitet ist. Aus Sicht des Kindes zumindest.

Ist es erstrebenswert, unsere Kinder zur Unselbstständigkeit zu erziehen? NEIN!

Was ist das Ergebnis? Es sinkt die Frustrationstoleranz, wenn dann tatsächlich etwas schief läuft oder nicht sooo gut läuft. Das heißt, wenn wir unsere Kinder diese Erfahrungen nicht schon von Anfang an machen lassen, damit sie da hinwachsen können, wenn mal der Sportbeutel fehlt, die Hausaufgabe mal vergessen wurde, etc. dann fehlt da was. (und die Betonung liegt auf “mal” wohlgeremerkt;)

Lesson Learned:

Den Kindern nichts abzunehmen, wozu sie selber schon in der Lage sind. Das gilt also nicht für unsere Kleinsten und Zwerge aber leider verpassen wir manchmal den fließenden Übergang;)

Kennst du eigentlich den “Hausaufgaben-Blues”?

“Wir müssen noch Mathe lernen.” Hört man oft aus Eltern-Munde. Wobei wir als Eltern doch schon unseren Schulabschluss haben?

Kinder merken schon früh, dass, wenn sie sich maximal blöd anstellen, sie auch die maximale Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen.

Und schon ist er da, der Hausaufgaben Blues:

  • bei dem sich die Dinge täglich wiederholen,
  • ich als Elternteil schon weiß, wie das wieder enden wird und
  • sich die Freude in Grenzen hält bzw. die Tatsache, dass das Thema Hausaufgaben ansteht zum blanken Horror werden kann.

Wobei es kein Kind im Grundschulalter gibt, dass für sich selbst gerne lernt. Es tut es weil es muss, es gefordert wird. Es tut es für die Lehrer, für die Eltern. Ansonsten würde es viel lieber spielen bis zum Umfallen.

Am Liebsten eben mit Mama oder Papa Zeit verbringen, später dann mit Freunden. Und wenn Mama/Papa sonst keine Zeit hat, dann kann man das Thema Hausaufgaben auch in die Länge ziehen.

Lessons Learned:

Unendlich dankbar dafür zu sein, dass meine Töchter ihre Hausaufgaben bereits im Hort erledigen und somit das Thema Hausaufgaben, zumindest bisher, bei uns zu Hause nur sehr wenig Raum einnimmt. Kurze Nachfrage bei unserer 1. Klässlerin, Dinge verbessern, wenn sie will, Elternbriefe gemeinsam durchgehen, Dinge besorgen, Sachen für den nächsten Tag vorbereiten: “Was steht morgen/nächste Woche an?”.

Zudem wollte unsere “Große” ab der 4. Klasse keine Hausaufgaben-Kontrolle mehr, was hervorragend klappte und mir sehr entgegenkam, da die “Kleine” gerade eingeschult wurde und noch mehr Unterstützung brauchte. Und wieder dankbar ich war!:)

Was ist eigentlich Begabung, was ist Intelligenz?

In der Grundschule wird oft reduziert auf mathematische, sprachliche Begabung und Intelligenz wobei es so viel mehr Begabungen und Talente gibt, z.B. im musikalischen, körperlichen, kreativen Bereich. Beim Übertritt auf die weiterführede Schule wird das oft nicht berücksichtigt.

Deshalb empfiehlt es sich für sich selbst zu überprüfen welche Schule vielleicht besser geeignet ist für mein Kind. Oft wird es in etwas hineingepresst weil alle anderen dahin gehen. Punkt.

Manche Kinder wissen schon im Kindergarten was sie werden wollen, manche erst im Erwachsenenalter. Oft ist es für uns Eltern nicht einfach auszuhalten, wenn die Findungsphase für die Interessen und Stärken einfach länger dauert:

  • unsere Kinder evtl. einen ganz anderen Weg einschlagen als wir Eltern
  • evtl. keinen akademischen Werdegang anstreben
  • eine Ausbildung gegenüber Studium vorziehen
  • einfach erst mal die Welt erkunden wollen
  • mal nichts tun wollen (“mal” – nicht “immer”;)

Bei Letzterem schrillen dann bei uns vielleicht gleich die Alarmglocken! Um Himmels willen! Ein fauler Tauge-Nichts, der anderen auf der Tasche liegt. NO WAY!

Darf dein Kind anders sein als du? Einen anderen Weg einschlagen? Länger brauchen?

Lessons Learned:

Meine Kinder “müssen” sogar anders sein als ich selbst, denn sie sind im Wesen anders. Meine Aufgabe als Mutter ist es, sie so anzunehmen und zu lieben wie sie sind, in vollem Vertrauen darauf, dass sie ihren eigenen Weg finden und selbstständig gehen werden. Motto: “Am Ende wird alles gut. Ist es noch nicht gut, war es noch nicht das Ende.”

Meine größte Herausforderung ist es dabei meine Ängste und Horror-Szenarien zu bändigen. Mein Grundverttauen zu schüren. Meine Kinder sind anders, organisieren sich anders, lernen anders, legen auf andere Dinge wert. Und das ist gut so.

Mein Trost ist es, dass ich selbst erst spät “mein Ding” gefunden habe, wo Arbeit für mich keine Arbeit bedeutet weil es mir rundum Spaß macht und ich voll und ganz weiß warum ich das tue.

Ich bin selbst spät angekommen weil:

  • ich lange nicht wusste was ich eigentlich wollte,
  • ich mir lange bestimmte Dinge nicht zugetraut habe
  • weil es mir lange zu wichtig war anderen zu gefallen anstatt mich zu fragen: “was ist es, was ich wirklich, wirklich, wirklich will?:)

Nachdem ich mich die letzten 5 Jahre intensiv damit auseinandergesetzt habe, bin ich nun auf meinem Weg angekommen und vertraue darauf, dass sich im Zeitalter von Fachkräftemangel, Globalisierung und Digitalisierung/digitaler Nomaden auch was Passendes für meine Töchter finden wird – I´m pretty sure!:)

Im nächsten Blogbeitrag dann mehr darüber:

– Was tun, wenn ein Kind nicht mehr lernen mag?

– Wie wichtig “abhängen” ist.

– Über den Mecker-Faktor und die “Toll”wut.

In dem Sinne einfach dranbleiben!

Alles Liebe, dein Feel-Good-Coach, Birgit

 

Herzlichen Dank an die Grundschule an der Feldmochinger Straße 251 und dem Elternbeirat für die Organisation solch wertvoller Beiträge!

————

Die Referentin, Annette Frankenberger, ist systemische Paar- und Familientherapeutin (DSGSF) seit 1994 in eigener Praxis, Supervisorin und STEP – Trainerin (Systemisches Training für Eltern).

Eine Pädagogin, die nicht nur über Theorie spricht sondern, dank Patchwork-Family, jeweils die Dinge auch tatsächlich “erprobt” hat.

Auf Ihrer Seite gibt es die Möglichkeit, sich für “ziemlich kleines Geld”, ihre Vorträge zu kaufen. http://www.anettefrankenberger.de/shop/

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